Datça Halbinsel

Gebekum!

Ein Platz für Wanderer
und Freunde der Antike
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Seit vielen Jahren sind wir mit Datca und der gleichnamigen Halbinsel, die die Ägäis vom Mittelmeer trennt, verbunden. Die herrliche Landschaft mit den unentdeckten antiken Plätzen, den stillen Buchten, den bizarren, schroffen Bergen, den lieblichen Tälern, den versteckten Schluchten hat uns immer wieder überrascht und fasziniert.“ Grund genug für Carla Winkler-Mayer und Manfred Mayer, „Wanderern und Naturfreunden dieses schöne Fleckchen Erde“ mit einem kleinen Wanderführer „näher zu bringen“.

Wie die beiden Wiesbadener Autoren bitten auch wir die Besucher der Halbinsel, sie mit der notwendigen Sensibilität zu behandeln, die leider allzu vielen Feriengästen abgeht. Noch ist hier kaum etwas reglementiert. Es gibt wenige Gebiete, in denen man nicht wandern kann. WIR ALLE tragen die Verantwortung, dass das so bleibt.

 

Das Klima der Halbinsel mit seiner geringen Luftfeuchtigkeit, seiner stark jodhaltigen Luft, die besonders Asthmakranken empfohlen wird, und der im Sommer immer angenehm kühlenden Meeresbrise war schon in der Antike bekannt und beliebt. Nicht zuletzt deshalb lebten hier in der dorischen Stadt Knidos (siehe „Knidos“) und ihren Wein- und Olivenanbau-Gebieten im 4. Jahrhundert v.Chr. mehr als 100.000 Menschen. Heute sind es etwa 12.000, davon 8.100 in der Kreisstadt Datca selbst.

In den Ferienmonaten steigen diese Zahlen allerdings um ein Vielfaches. Die meisten Gäste sind dann türkische Familien aus den Großstädten, die in zahlreichen, oft die Landschaft beleidigenden Siedlungen an den Küstenhängen wohnen. Dazu kommen einige hundert Europäer und Türken, die die Halbinsel häufig als Rucksacktouristen oder Segler kennen gelernt oder von Freunden empfohlen bekommen haben, und hier ihren Lebensabend verbringen wollen. Kommerziellen Massentourismus gibt es noch nicht. „Im Vergleich zu Bodrum und Marmaris“, schreibt der hier mit seiner Frau Elisabeth ein Ferien- und Kulturzentrum betreibende Germanist und Türkisch-Dozent Hüseyin Tüzün in seinem Reiseführer, wird „Datca hauptsächlich von Individualtouristen geliebt und besucht“.

Etwa hundert Kilometer weit erstreckt sich die - zwischen 15 Kilometer und 500 Meter schmale und bis zu den 1162 Metern des Kocadagi teilweise steil aus den beiden Meeren aufsteigende - Halbinsel von Marmaris Richtung Westen bis zum antiken Knidos. Neben dieser bedeutenden Ausgrabungsstätte gibt es weitere am Ostrand von Datca selbst und unterhalb des Dorfes Emecik. Wer beim Wandern genau hinschaut, kann aber selbst kaum bekannte historische Siedlungs- und Kultorte von der karischen und der mykenischen Kultur, über die knidische und die römische bis zu der von Byzanz entdecken. „Die türkische Besiedlung der Halbinsel hat wahrscheinlich in früher seldschukischer Zeit von See her begonnen“, schreibt der Orientalist Horst Unbehaun. Nach seiner Analyse entwickelte sich der römische Name Stadia für das dorische Knidos in osmanischer Zeit zu Dadya, woraus in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Datca wurde.

Baden kann man in den traumhaft schönen und dann menschenleeren Buchten der Halbinsel das ganze Jahr über: Im November, wenn Heideblüten die Hänge überwuchern, im Januar, wenn der „Schnee“ der Mandelbaumblüten weite Flächen bedeckt, im Februar/März, wenn die Bauern einen Teil der unreifen grünen Mandeln ernten, die gern zum Raki gegessen werden, und wenn die Blüten der Zistrosen, des Lavendels und Stechginsters Täler und Hänge und die Dünen des „Gebekum“ (siehe „Naturwunder“) in eine bunte Landschaft verwandeln. „Mit den Blüten der Papatya’s, das sind wilde Margariten“, heißt es im o.g. Wanderführer, „meldet sich der Frühling an“.

Literatur:
Carla Winkler-Mayer + Manfred Winkler: „Wandern zwischen Ägäis und Mittelmeer auf der Datca-Halbinsel“, deutsch, englisch, türkisch, 1. Auflage 2000, Selbstverlag.
Hüseyin Tüzün: „Türkische Mittelmeerküste...selbst entdecken“, 1998, Regenbogen-Verlag
Horst Unbehaun: „Klientelismus und politische Partizipation in der ländlichen Türkei – Der Kreis Datca (1923 – 1992)“, 1994, Deutsches Orient-Institut