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„Die antike Stadt Knidos ist ein noch verborgenes Kleinod an der Südwestküste der Türkei“, weiß die Archäologin Christine Bruns - Özgan. Schon für Homer (809 - 724 v.Chr.) war „das hochgelegene Knidos“ - damals eine der bedeutendsten antiken griechischen Städte, heute eine drei Quadratkilometer große Ruinenstätte weitab von den üblichen Touristenrouten - erwähnenswert. Es liegt unterhalb einer Akropolis in zahlreichen Terrassen auf mehreren Steilhängen und am Ufer der Westspitze der Datca - Halbinsel zwischen Mittelmeer und Ägäis. Zwei natürliche Häfen und ihre günstige Lage an der Seehandelsroute zum Orient „trugen maßgeblich zur Bedeutung und Blüte der Stadt bei.“ |
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Kontakte zwischen Knidos („Der Name selbst ist einheimischen Ursprungs und deutet auf eine anatolische Ureinwohnerschaft.“ B.-Ö.) und der Kultur von Mykene, die sich im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. bis nach Syrien ausbreitete, sind durch Texte und mykenische Scherben bezeugt. Im 12. Jahrhundert erhielten die Knidier Zuzug durch einen dorischen Stamm aus der Umgebung von Sparta. Zum dorischen Siedlungsgebiet gehörten bald auch Kos, Rhodos, Halikarnassos (heute Bodrum), Nisyros und Telos, deren wichtigste Städte sich zur Hexapolis, zum dorischen Sechsstädtebund zusammenschlossen. |
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Zentrale Kult- und Versammlungsstätte der Hexapolis war nach Angaben des griechischen Historikers Herodot aus Halikarnassos (482 - 429) das Triopion, ein Apollotempel auf der Halbinsel der Knidier, dessen Lage unter den Archäologen heute noch umstritten ist. Christine Bruns-Özgan vermutet das Triopion auf der Terrasse des Apollotempels innerhalb der gewaltigen Stadtmauern von Knidos. Für ihre Kollegen Numan Tuna und Dietrich Berges, die etwa 50 km östlich, unterhalb des heutigen Dorfes Emecik unweit vom „Gebekum“ (Siehe „Zerstörung und Rettung“), seit 1998 einen Apollotempel ausgraben, lag das dorische Nationalheiligtum hier. Unstrittig ist, dass die gesamte Datca - Halbinsel damals zu Knidos gehörte. |
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Im 7. Jahrhundert beteiligte sich Knidos sogar an der Gründung von Kolonien in Ägypten und auf Sizilien. Im 6. und 5. Jahrhundert stifteten die durch Olivenöl- und Weinexport wohlhabenden Knidier dem berühmten Heiligtum in Delphi ein Schatzhaus, das erste Marmorgebäude auf dem griechischen Festland, und eine Säulenhalle, vom Maler Polynot mit Gemälden ausgestattet. Der knidische Historiker und Arzt Ktesias (440 – 380) verfasste ein mehrbändiges Geschichtswerk Vorderasiens. Der knidische Mathematiker und Astronom Eudoxos (408 – 355) berechnete die Kugelgestalt der Erde, ließ in Knidos ein eigenes Observatorium errichten und teilte den Nachthimmel in Sternbilder ein. Der Architekt und Baumeister Sostratos (340 – 260) entwarf für den Ägypterkönig Ptolemäus II. den Plan der Stadt Alexandria und errichtete 279 den Leuchtturm von Pharos, der wegen seiner Höhe von über 100 Metern zu den sieben Weltwundern gezählt wurde. Die Ärzte Euryphon und Herodikos entwickelten neue Heilpraktiken. |
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Als um 360 v. Chr. der berühmte Bildhauer Praxiteles (403 - 335) zwei Aphrodite-Statuen in Griechenland und auf der Hexapolis zum Verkauf anbot, entschieden sich die Bürger von Kos für die bis dahin wie üblich bekleidete, die Knidier für die nackte Göttin. Diese Statue, hoch über den Hafen gestellt, wurde so berühmt, dass sie, so später der römische Schriftsteller Plinius, einen regelrechten Touristenstrom über See auslöste. In frühchristlicher Zeit soll sie nach Konstantinopel verschleppt worden und dort durch einen Brand zerstört worden sein. Ihr Aussehen ist aber durch Abbildungen auf Münzen aus ihrer Zeit in Knidos bekannt geblieben sowie durch zahlreiche Kopien aus der Römerzeit, von denen die bekannteste Venus von Milo heißt. |
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Standort der Aphrodite-Statue war für die meisten Archäologen der herausragendste Bau von Knidos, der große Rundtempel über der Stadt. Hier konnte man, wie die Überlieferung sagt, das berühmte Praxiteles - Kunstwerk von allen Seiten und vom Meer aus sehen. Weitere Sehenswürdigkeiten sind ein Dionysostempel, der Dorische Tempel (Rosa Tempel), das etwas abgelegene Demeter - Heiligtum, das Musenheiligtum, zwei Amphitheater, das Odeion (Musiktheater) und die Reste einiger christlicher Kirchen, für deren Bau die dorischen Bauten geplündert wurden. Die Stoa, eine lange Reihe von einst mosaikverzierten und marmorverkleideten Kammern im Stile der Wandelhallen von Pergamon, Delos und der berühmten Philosophenschule von Athen, wurde vermutlich von Sostratos erbaut. Es wird seit 2003 von Christine Bruns - Özgans Team so weit wie möglich restauriert. |
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Ähnlich wie Praxiteles’ Aphrodite sind auch andere Kunstwerke aus Knidos verschleppt worden. Die Statue der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter wurde aus ihrem Tempel ins British Museum nach London gebracht, ebenso die der Demeter - Priesterin Nikokleia und eine gewaltige Löwenskulptur, die ursprünglich ein Grabmal in den Nekropolen außerhalb der Stadtmauern zierte. |
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Literatur: Christine Bruns - Özgan: „Knidos – Ein Führer durch die Ruinen“, 2002, Selcuk Universität und „Ein neues archaisches Kopffragment aus Knidos“, in der Festschrift für Fahri Isik zum 60. Geburtstag, 2004 e-mail: coszgan@selcuk.edu.tr Dietrich Berges: „Alt-Knidos und Neu-Knidos“, IstMitt.44, 1994, 5ff und „Knidos und „Das Bundesheiligtum der dorischen Hexapolis“, Nürnberger Blätter zur Archäologie 12, 1995/96 Arno Peters: Synchronoptische Weltgeschichte, 1970, 2001, bei ZWEITAUSENDEIN
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