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„Wir
sind hier, in diesen Dünen, lebend im Paradies.“ |
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| Interview von Peter Kleinert mit Professor M. Dogan Kantarci | ||
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Professor M. Dogan Kantarci, Forstwissenschaftler, Ökologe und Bodenkundler an der Universität Istanbul, beendete das Interview über seine Arbeit im „Gebekum“, das hier in Ausschnitten veröffentlicht wird, mit dem folgenden Satz: |
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„In unserem Koran heißt es: „Es gibt ein Leben nach dem Tod.“ Wenn wir tot sind, gehen wir in die Hölle oder ins Paradies. Wir sind hier, in diesen Dünen, lebend im Paradies. Deshalb komme ich immer wieder hierher zurück.“ |
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| PK: Wann und warum sind Sie zum ersten Mal ins „Gebekum“ gekommen? | fognin.htm |
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MDK: Das war 1988. Da machte ich, im Rahmen einer Rundreise mit deutschen und österreichischen Wissenschaftlern, einen Ausflug auf die Datça-Halbinsel. Wir kamen auch hierher, in die Dünenlandschaft des „Gebekum“. Damals wusste ich aber noch nichts über das „Gebekum“. Im Februar 1989 machten wir Schnee- und Luftverschmutzungsforschungen im Taurus-Gebirge. Dann kamen wir hier herunter, um gezielte Pflanzenbestimmungen zu machen, die man natürlich am besten in deren Blütezeit im Frühjahr vornimmt. Da hörten wir zum ersten Mal den Namen „Gebekum“, den ich allerdings für eine Dialektverfälschung des Wortes „göbel“ (= kleines Erdhügelchen als Grenzbestimmung der Bauern auf den Äckern) halte. |
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PK: Sie haben aber nichts dagegen, wenn wir bei der Bezeichnung „Gebekum“ (= schwangerer Sand) bleiben? |
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MDK (lacht): Unser Kollege Olus Erol stellte sehr bald fest, dass es sich hier in dieser Dünenlandschaft um fossilen Sand handelt, ähnlich, wie er schon bei den archäologischen Ausgrabungen in Alt - Knidos am östlichen Rand von Datça entdeckt wurde. Wir fanden auf den Dünen Schwemmstein, hochporösen Kies, der nur aus einem Ausbruch des Vulkans auf Nisyros, von der heute griechischen Inselgruppe Dodekanes ganz in der Nähe stammen kann. Die spannende Frage war für uns: Wie kamen diese vulkanischen Schwemmsteine hier im „Gebekum“ auf dessen bis zu fünf Meter hohe Dünen. |
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| PK: Und welche Erklärung haben Sie gefunden? | |
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MDK: Schwemmsteine sind so leicht, dass sie auf dem Meerwasser schwimmen können. Vor einigen Millionen Jahren, am Ende des Tertiär, im Pliozän, erhielt die Landschaft des Mittelmeers ihre heutige Form, und der Wasserspiegel war damals, vermutlich durch eine Zwischeneiszeit, etwa sechs Meter höher als heute. Gleichzeitig entstanden durch tektonische Bewegungen das Bergmassiv östlich von hier bei Emecik und das Bergmassiv westlich von hier hinter Datça. Dazwischen entstand die schmale, niedrige Fläche um das heutige Dorf Kizlan, die voll von Pliozän-Ablagerungen des Vulkanausbruchs vor etwa sechs Millionen Jahren ist. |
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Das war etwa zur gleichen Zeit, in der im Bosporus und in den Dardanellen die Verbindung zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer durch Erdbewegungen entstand. Das Schwarze Meer war ja vorher ein Süßwassersee, dessen Seetiere nun durch das einlaufende Meerwasser starben. |
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An der heutigen Küste vor der Kizlanplatte und auf dieser selbst wurden im Pliozän II Sand und Kiesmaterial mit Kalziumkarbonat aus dem Grundwasser vermischt. Das Material wurde in der Atmosphäre durch Senkung des Meeresspiegels zu Stein, zementierte zu dem Konglomerat, das wir heute noch in Platten vor der Küste liegen sehen. Diese Zementierung setzt sich auch heute noch fort und ist ein natürlicher Schutz vor den Meereswellen für die inzwischen etwa sechs Millionen Jahre alten Dünen. |
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| PK: Was bedeutet das „Gebekum“ für Sie als Wissenschaftler? | |
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MDK: Als Forstwissenschaftler geht es mir eigentlich ums Wiederaufforsten. Würden wir das aber im „Gebekum“ konsequent tun, würden wir die hier vorhandenen Tier- und Pflanzengruppen zerstören, von denen einige endogen sind. Es gibt sie nur hier an diesem Platz. Die will ich als Bodenkundler und Ökologe erhalten. |
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Es handelt sich außerdem wie gesagt um eine fossile Landschaft. Würden wir sie zerstören, würden wir in der Zeit, in der voraussichtlich menschliches Leben auf der Erde existiert, eine solche Landschaft nie wieder erhalten, in der wir die Geschichte unserer Erde erforschen und daraus lernen können. In diesem Teil des Mittelmeers können wir die Geschichte unserer Erde studieren, bis zum Pliozän, der letzten Stufe des Tertiär. Das dürfen wir nicht einfach wegschmeißen. Neben den Forschern und Wissenschaftlern bietet dieses Naturwunder ja auch für Schüler und Studenten eine hervorragende Möglichkeit zu lernen und zu studieren. Die dürfen wir nicht verlieren. |
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Dazu kommt: Der fossile Sand, der hier jahrzehntelang aus den Dünen abgebaut worden ist, um damit Häuser auf der Datça-Halbinsel zu bauen, ist rund und nicht eckig, also völlig ungeeignet fürs Bauen, vor allem angesichts der Tatsache, dass wir hier hier auf einer Erdbebenfläche leben. Wer mit diesem Sand baut, hat bei stärkeren Erdbeben keine Chance. |
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| Literatur:
„RESADIYE (Datça) YARIMADASINDAKI GEBEKUM KUMULUNUN ÖZELLIKLERI
VE KORUNMASI ICIN ÖNERILER“, Prof. Dr. M. Dogan Kantarci, Ist. Üni.,
Orman Fakültesi Toprak Ilmi ve Ekoloji Abd., Istanbul, 2001 „Datça YARIMADASI KIYILARINDA KÜCÜ DENIZ CANLILARININ OLUSTURDUKLARI KIRECTASLARININ CEVRESEL EKOLOJI YÖNÜNDEN ÖNEMI“, Prof: Dr. Oguz Erol, Ist. Üni., Deniz Bilimleri ve Cografiya Enstitütesü, Datça Yarimadasi Sempozyumu, 6-9 Haziran 1992
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Prof. M. Dogan Kantarci und |
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