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„Diese Natur ist die einzige Einkommensquelle der Halbinsel"

Interview mit Elisabeth Tüzün von Markus Feuerstack

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MF: Was für Aufgaben hat sich der Verein gesetzt, nachdem Yolande Aydemir Delacuisine Präsidentin wurde?  

ET: In den Statuten des Vereins ist festgeschrieben, die einmalige Datça - Halbinsel mit ihren natürlichen Ressourcen zu erhalten, den Menschen die Natur in Form eines sanften Tourismus zugänglich zu machen. Denn diese Natur ist die einzige Einkommensquelle der Halbinsel. Es existiert keine Industrie, dadurch gibt es auch keine chemischen Abfälle. Das Meer ist absolut sauber und es existiert kein Flughafen. Mit anderen Worten haben wir hier die idealen Voraussetzungen für eine sanften Kultur- und Gesundheitstourismus.

Weitere Aufgabe des Vereins ist es, die Bevölkerung auf den Umweltschutzgedanken vorzubereiten, Also den Menschen den Gedanken nahe zu bringen, dass jeder von ihnen für diese einmalige Natur verantwortlich ist. Dies beinhaltet eben auch, die Natur nicht unnötigen Risiken auszusetzen.

MF: Das war nun eher die ideelle Ausrichtung, wie sah denn die praktische aus?  

ET: Eines der ältesten Projekte, das ständig fortgeführt wird, sind die allgemeinen   Säuberungsaktionen, also die Entsorgung des Mülls. Jeder der hier lebt, kann nur vom Tourismus leben und das nur während zwei, drei Monaten im Jahr. Wer keinen finanziellen Hintergrund oder Felder hat oder Oliven und Mandeln anbaut, hat hier kein Auskommen. Und da der Tourismus unsere Grundlage ist, müssen wir wenigstens den Müll entfernen. Das ist eine Aktion des Umweltschutzvereines, die den ganzen Sommer stattfindet. Die Buchten werden mit Booten vom Müll, den die Menschen hinterlassen, den das Meer angespült hat, gesäubert. Natürlich auch die Stadt selbst.

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MF: Auf wie viele Aktive könnt ihr dann zurückgreifen?
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Wenn wir zu diesen Aktionen aufrufen, bei denen auch die Gemeinde hilft, kommen so etwa 100 Leute. Das ist ein bisschen wenig, aber da wir das jeden Monat einmal mit einer größeren Gruppe und dazwischen mal mit kleineren Gruppen machen, geht es. Manchmal geben uns auch der Gendarmerie- und der Luftwaffenkommandant einige ihrer Leute dazu. Wer welche Gasse säubert, organisiert die Präsidentin. Das eigentliche Ziel aber wäre, dass die Leute den Müll erst gar nicht mehr in die Natur schmeißen, und darüber redet sie ständig mit ihnen. Wenn wir Tourismus betreiben wollen, ist eben die erste Grundlage die Sauberkeit.

Die zweite Grundlage ist das Erscheinungsbild von Datça. Das architektonische Bild von Datça ist in diesem Jahr zum Punkt Nummer eins für den Umweltschutzverein geworden, da hier kein Stil, keine Linie zu erkennen ist; ein Hafen den man so nicht versteht. Wir müssen mit Stein arbeiten, brauchen saubere Linien und klare Formen. Weg mit den Plastikstühlen und stattdessen wieder die alten Holzstühle, auf denen man nicht schwitzt und bequemer sitzt!

 
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Jedes Jahr am ersten Maiwochenende gibt es einen Volksmarsch, verbunden mit einer  Säuberung, der vom Mittelmeer zur Ägäis verläuft. Denn wir haben den besonderen Luxus, in eineinhalb Stunden quer über die Insel zum jeweils anderen Meer wandern zu können. Das ist ein Volksmarsch, an dem viele Leute teilnehmen, und bei dem die Gemeinde Krankenwagen mitschickt für den Fall, dass ältere Leute nicht mehr die ganze Strecke schaffen, und die dann mitgenommen werden müssen. Man läuft praktisch über Felder und sieht die ganze Insel von einem Meer zum anderen. Wo kann man das schon? Eine Sensation. Das wird jedes Jahr gemacht.

Ein anderes Problem ist die Frage, wohin der Müll gehen soll. Er wird zur Zeit in ein Tal gebracht, wo zum Teil im Winter ein Flussbett ist. Dadurch schwimmt der Müll dann wieder langsam Richtung Datça. Deshalb hat der Gouverneur mit dem Umweltschutzamt alle Dorfvorsteher einberufen, und es wurden Plätze ausgehandelt, an denen sie im eigenen Dorf Müll entsorgen dürfen. Die Gemeinden haben vom Bezirksgouverneur Traktoren und Anhänger bekommen, die man abdecken kann, damit der Müll bei Wind nicht durch die Gegend fliegt.

 

Ein weiteres großes Problem ist die Kanalisation. Das staatliche Projekt hat ein Kanalisationssystem für Datça vorgesehen und eigentlich auch schon gebaut. Wir brauchen aber keine chemische Kläranlage. Da wir keine chemischen Abwässer haben, würde auch eine biologische Kläranlage genügen. Der Bau der Kläranlage wurde gegenüber dem Hafen begonnen, in einer der schönsten Buchten. Die Rohre laufen am Hafen entlang, aber bevor die Kläranlage in Betrieb genommen werden konnte, waren sie schon verstopft, da ein paar Leute sich heimlich an die Anlage angeschlossen hatten.

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MF: Der Verein hat ja relativ weit reichenden Einfluss auf die Verwaltung, ihr werdet ernst genommen; es wird mit euch diskutiert. Man kann schon sagen, dass ihr eine politische Macht darstellt.

 

ET: Ja das stimmt. Wir werden auch bei Gemeindesitzungen dazu gerufen, denn später kommen wir sowieso mit Vorschlägen. Da ist es besser, uns gleich zu sagen, was beschlossen werden soll.

Zum Beispiel ist viel Geld in das Kanalisationssystem gesteckt worden, und es ist durchaus verständlich, dass der Bürgermeister die Sache abschließen will. Aber wir sagen ganz klar Nein zu den aktuellen Plänen, weil wir nicht wollen, dass das geklärte Wasser ins Meer zurückfließt. Wer garantiert denn für den Grad der Reinigung? Die Türkei ist Mitglied einer Mittelmeeranrainer-Organisation und hat unterschrieben, dass kein Abwasser, auch kein geklärtes Abwasser, ins Meer abgeleitet werden darf. Wir könnten damit einen Wald bewässern und für Aufforstung sorgen. Klar kostet das Geld, aber das muss dann eben gefunden werden. Wir können aber auch nicht die Tanks mit Abwässern am Hafen stehen lassen, und direkt daneben liegen millionenteure Yachten. Das passt nicht zusammen.

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Es  stehen alternative Wissenschaftler zur Verfügung, die uns informieren, und Yola, die Präsidentin, sagt, wir sind erst mal gezwungen, weiter zu forschen, welche  Möglichkeiten zur Verbesserung bestehen. Es gibt sogar ganz in der Nähe, in der Feriensiedlung Aktur, ein vorbildliches Beispiel. Da auch der Bürgermeister daran interessiert ist, in Frieden mit dem Umweltschutzverein eine Lösung zu finden, wird das wohl auch klappen.

Ein weiteres Projekt ist die ökologische Landwirtschaft. Das ist etwas sehr Spannendes, denn die Halbinsel wäre ein Ort, wo jeder Bauer ökologischen Landbau betreiben könnte. Es gibt keinen Grund, so viel Gift auf die Felder zu bringen, denn der Boden ist fruchtbar. Wir stecken einen Stein in die Erde, und es wächst ein Baum daraus. Andere Inseln in der Nähe haben kein Wasser, und man muss jeden Tropfen per Schiff hinbringen, aber wir haben alles hier und schätzen es deshalb nicht.

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Das erste größere Projekt des Umweltschutzvereins ist der Schutz der fossilen Dünen von "Gebekum". (Siehe „Rettung“ und „Naturwunder“)   fognin.mtgfognin.htmrobots
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